Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:
Der Magistrat wird aufgefordert, bis Ende des Jahres 2008 eine Gesamtkonzeption zur weiteren Erhaltung, Entwicklung und Sanierung sowie möglicher baulicher und gärtnerischer Ergänzungen der Künstlerkolonie Mathildenhöhe der Stadtverordnetenversammlung vorzulegen.
1) Diese Konzeption soll durch Einbindung aller betroffenen Dezernate und Ämter, dem Denkmalschutz und der Kämmerei unter Leitung des "Koordinators Mathildenhöhe" erarbeitet werden.
2) In das Erhaltungskonzept sind potentielle private Investoren, Sponsoren, Mäzene und Eigentümer/Anlieger mit einzubeziehen. Ebenso soll der Sachverstand, der im Verein „Freunde der Mathildenhöhe e.V.“ versammelt ist, mit herangezogen werden.
3) Der unbebaute Osthang, der im Krieg zerstört wurde, soll in einem Wettbewerb von der Stadt gemeinsam mit dem Land Hessen beplant werden.
4) Ein mittelfristiges Finanzierungskonzept der öffentlichen Leistungen von Stadt und Land soll vorgelegt werden. Dabei ist zu prüfen, inwieweit für die Mathildenhöhe, die jetzt schon unter einem umfassenden Ensembleschutz steht, Bundesmittel und eventuell europäische Fördermittel zur Verfügung stehen können. Die mit der Anmeldung der Künstlerkolonie als Weltkulturerbe verbundenen Kosten sind gesondert auszuweisen.
5) Eine Anmeldung der Künstlerkolonie Mathildenhöhe zum Weltkulturerbe sollte gemeinsam mit dem Land Hessen, gemäß den neuen Bestimmungen der UNESCO und des Welterbekomitees in Deutschland geprüft werden.
6) Gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege sollte erörtert werden, ob ein solches Projekt zum architektonischen gesamtkünstlerischen und geistigen Aufbruch der "Lebensreform" um 1900, wie es in der umfassenden Schau zur Neugestaltung von Leben und Kunst im Jahre 2001 auf der Künstlerkolonie dokumentiert wurde, in Verbindung mit dem Jugendstilensemble in Bad Nauheim und einzelner Bauwerke des Jugendstils in anderen hessischen Städten vorgelegt werden kann.
Begründung:
Nach den bei den städtischen Ämtern vorliegenden Ergebnissen des 2006 durchgeführten Forums "Entwicklung Mathildenhöhe" besteht für die Stadt Handlungsbedarf für die Erhaltung, Entwicklung und Sanierung sowie die mögliche bauliche Ergänzung des Gesamtkunstwerkes Mathildenhöhe. Die historische, kunsthistorische, künstlerische und geistige Bedeutung der Entstehung der Künstlerkolonie, die von Großherzog Ernst Ludwig ins Leben gerufen wurde, hat von 1901 – 1914 eine große Strahlkraft in Deutschland und weit über Deutschland hinaus entfaltet. Darüber gibt es zahlreiche Dokumentationen, Ausstellungen, Veröffentlichungen und Forschungsansätze. Die Stadt Darmstadt hat nach den Zerstörungen des Krieges nicht nur weitgehende Versuche der Sanierung der Architektur und der Parks versucht, sondern mit großen Ausstellungen auch die Geschichte dieses besonderen Ortes wiederaufleben lassen.
Mit insgesamt nahezu 14 Millionen Euro ist in den Jahren von 1961 bis zum Jahr 2007 der Wiederaufbau von Ausstellungshallen, Einzelhäusern, der Wiederherstellung von Parks und Gärten und der Russischen Kapelle gelungen. Daneben ist mit der Jubiläumsausstellung 1976 "Ein Dokument deutscher Kunst 1901 – 1976" eine Aufarbeitung der geistigen Reformsituation geschehen. Weiterhin gab es in den letzten Jahren immer wieder Ausstellungen, die sich mit Einzelaspekten dieser Aufbruchsituation beschäftigt haben, unter anderem der großen Ausstellung "Lebensreform".
Die genannten Defizite aus dem Krieg und der schnelle Aufbau der Nachkriegszeit verlangen eine intensive Behandlung der unter hohem Denkmalschutz stehenden überlieferten Gebäude, aber auch eine Beschäftigung mit der Frage des Rückbaus von sanierten Gebäuden, der eventuellen Auflagen für Gebäude in Privatbesitz, der Öffnung der Gärten sowie der Beplanung und Bebauung des Osthanges.
Die Frage des Erwerbs des Welterbestatus muss sorgfältig überlegt werden. Er ist insbesondere zu diskutieren im Hinblick auf Auflagen und Einschränkungen für Privateigentümer. Andererseits ist zu erkunden, in wieweit durch die Unterschutzstellung ein hoher neuer Imagegewinn und touristische wie wirtschaftliche positive Auswirkungen zu verzeichnen sind.
Darüber hinaus ist mit dem Landensdenkmalamt und dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst zu erörtern, in wieweit angesichts der universalen Anmeldesituation und dem Drängen anderer Kontinente nach Erwerb des Welterbestatus, eine Wettbewerbssituation in Hessen vermieden werden und gegebenenfalls eine Bündelung der unterschiedlichen Interessen gemeinsam zum Erfolg führen kann.
Es muss abgewogen werden, ob die Investitionen im baulichen Bereich und eventuell in den Nachfolgebereichen von Personalkosten, Parksituation etc. , die sich aus einer Anmeldesituation für den Welterbestatus ergeben, sehr viel höher sind, als diejenigen Kosten, die durch eine Erhaltungs-, Fortentwicklungs-, Sanierungs- und Erweiterungskonzeption der Mathildenhöhe ohne Welterbestatus entstehen würden.
Dagmar Metzger Dr. Inge Landzettel Ruth Wagner, MdL
Walter Schmidt Hildegard Förster-Heldmann
Torsten Rossmann Doris Fröhlich
Sandra Russo
Pascal Angelbeck
Hanno Benz Brigitte Lindscheid Leif Blum
Vorsitzender SPD-Fraktion Vorsitzende Fraktion Bündnis 90/Grüne Vorsitzender FDP-Fraktion
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